Marianne Rempler – Hüterin, Gastgeberin, Ansprechpartnerin

Marianne Rempler mit wenigen Worten zu beschreiben ist schwer. In Meschen kennt sie jeder, im Mediascher Kirchenbezirk kennt sie fast jeder. Man kennt sie als tatkräftig, fleißig, verantwortungsbewusst, resolut und mit natürlicher Autorität ausgestattet, gute Gastgeberin und Organisatorin. Im Jahr 1991 steht Meschen nach der Abwanderungswelle ohne Burghüter(in) da. Bis zu dem Tag, an welchem Frau Marianne an den Ort zurückkehrt, an dem sie getauft und konfirmiert wurde. Heute wissen wir, es war ein guter Tag. Wie würde die Meschner Kirchenburg heute ohne ihr Wirken als Burghüterin und als Kuratorin aussehen? Man kann und mag es sich nicht vorstellen! Für diejenigen, die nach der Ausreise feststellten, dass ihnen „ihre Kir- chenburg“ doch mehr bedeutet, als man im Moment des Abschiednehmens wahrhaben wollte, war jemand da, der sich jetzt genau um diese Kirchenburg kümmerte. Marianne hatte, da waren sich alle sicher, ihren ganz eigenen Platz gefunden, sie kümmerte sich einfach um alles, und die Welt war, wieder irgendwie, in Ordnung. Mit aktiver Unterstützung durch ausgewanderte Gemeindemitglieder wurde das Pfarrhaus zu einem Gästehaus umgebaut. Frau Marianne, als gelernte Köchin, war die beste Gastgeberin und Herbergsmutter.

Das Gästehaus und vor allem die Kirchenburg wurden zur beliebten und gut besuchten Anlaufstelle für Meschner, Gruppen aus dem In- und Ausland, aus der Partnergemeinde Ilsfeld, oder auch für Rüstzeiten von Konfirmandengruppen. Sogar Prinz Charles schaute im November 1998 vorbei.

Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit der neben der Burg liegenden Schule. Frau Rempler und der damalige Schulleiter Sotropa haben in Räumlichkeiten der Wehranlage ein Museum eingerichtet in welchen auch immer wieder mal Geschichtsunterricht für die (rumänischen) Schüler stattfand. Das hier sich herausbildende Bewusstsein um ein Erbe, für welches alle Meschner Verantwortung tragen sollten, um es nicht in grauer Theorie oder gar Unwissenheit zu verlieren, ist eine Hoffnung, die auch Frau Rempler hegt. Das Vermächtnis von Stephan Ludwig Roth, Meschner Pfarrer bis zu seiner Hinrichtung 1849, sein Kampf für Verständigung und Zusammenhalt der auf Siebenbürger Boden lebenden Bevölkerungsgruppen, ist Teil der Geschichte Meschens, welche heute mehr denn je bewahrt werden muss.

Frau Rempler bewarb sich auch für einen Sitz im Gemeinderat, nicht zuletzt, um auch die Gemeindeverwaltung immer wieder auf Mitverantwortung für ein wertvolles Kulturgut hinzuweisen. Sie wurde gewählt und wiedergewählt, ein Zeichen der Anerkennung durch die Meschner Bürgerschaft. Mit Hilfe eines bewilligten EU-Förderprojektes, auf den Weg gebracht von Frau Marianne Rempler, wurde das Gästehaus 2012-2013 nochmal auf Vordermann gebracht. Steigende Besucherzahlen in Kirche, Burg und auch Gästehaus, insbesondere durch rumänische Gruppen und Gäste sind Signale, das Meschen seinen Platz im siebenbürgischen Kulturtourismus gefunden hat. Das im Herbst 2022, in Meschen organisierte 32. Sachsentreffen, war eine erneute Gelegenheit für Frau Rempler ihre organisatorischen Fähigkeiten, ihr Improvisationstalent unter Beweis zu stellen. Es war Ihr eine Freude, den vielen hundert Besuchern als Gastgeberin 2 schöne Tage in „ihrer“ wunderbaren Kirche und Burg zu bieten.

Uns Meschner HOG in Deutschland unterstützte sie auf unterschiedliche Art und Weise, sowohl bei unseren Treffen, Kronenfest, bei der Orgelsanierung und dem Einbau der neuen Butzenfenster, als Ansprechpartnerin, bei der man nach einem Telefonat immer eine Lösung hatte. Ihr „ich mach das“ war und ist mehr wert als manch schriftlicher Vertrag. Für viele Meschner ist es trotz Trauer und Tränen tröstlich, bei Beerdigungen in Deutschland zu wissen: „jetzt läuten auch die Glocken in Meschen, in der Heimat“. Ein Anruf bei Marianne genügte hierfür. Dass Frau Marianne Rempler sich „nebenbei“ auch um die Überwachung und jahrelang auch um die Organisation und Ausführung der Friedhofspflege kümmerte darf nicht unerwähnt bleiben. Auch wenn Frau Marianne das Amt der Burghüterin inzwischen zu treuen Händen weitergegeben hat, ist sie trotzdem fast täglich in der Kirchenburg um nach dem Rechten zu schauen. Das Verantwortungsbewusstsein hierfür liegt sozusagen in Ihrer Seele und Ihrer DNA.

Sicher haben wir das Eine oder das Andere hier nicht aufgeführt, jedoch möchten wir unsere wichtigste Botschaft rüberbringen: unser DANKE von Herzen, verbunden mit der Hoffnung, dass unsere liebe Marianne noch lange gesund bleibt, dann freuen sich Meschen und die Meschner! Aber erstmal freuen wir in Deutschland uns auf ein Wiedersehen, spätestens am 26.09.2026, beim Meschner Treffen in Ilsfeld-Schozach.

Text: Hans Reinerth, Hugo Schneider
(Der Artikel erscheint auch in der Siebenbürgischen Zeitung am 25.03.2026)