Georg Bretz zu Ehren

Die Siebenbürger Nachbarschaft Meschen e.V. trauert um Ihren Ehrenvorsitzenden
Georg Hermann Bretz, der 21.02.2022,
im Alter von 93 Jahren gestorben ist.
Georg Bretz wurde am 10. November 1928 in Meschen geboren, als Ältester von 3 Geschwistern. Nach unbeschwerter Kindheit, und bereits arbeitsreicher Jugend, entkam Georg mit seinen damals 16 Jahren knapp der Deportation nach Russland. Er absolvierte eine Elektrikerlehre in Mediasch und arbeitete anschließend viele Jahre bei den Stadtwerken Mediasch (Uzina electrica).

Am 6. Februar 1955 heiratete er Regina Schneider und in den kommenden Jahren wurde mit Sohn Stefan sowie Tochter Regine die Familie komplett. 

Neben der verantwortungsvollen Tätigkeit bei den Stadtwerken, mit teilweise mehrtägigen Schichten, gab es daheim in Meschen, hinter dem Haus einen großen Garten zu pflegen. Gemeinsam mit Ehefrau Regina wurde hier nach und nach moderner Gartenbau betrieben, mit beheiztem Glashaus und foliengedeckten Anzuchtbeeten für Kraut (Meschner Kraut war ein Markenname), Blumenkohl aber auch Auberginen und Tomaten. Auf dem Mediascher Gemüsemarkt gab es hierfür dankbare Abnehmer. Aber auch die Bienenzucht wurde seit jeher im Hause Bretz großgeschrieben. Georg und sein Bruder Hans waren Imker, deren Expertise unter Kollegen hoch geschätzt war. Besonders für den Akazienhonig wurden die Bienenstöcke bis in die Donau-Auen verbracht. Später in Deutschland ist Georg Bretz der Imkerei treu geblieben, besonders auf dem Jahrmarkt rund um den Ilsfelder Holzmarkt, war Georgs gesunder Honig stets hochbegehrt.

Trotzdem fand Georg Bretz die Zeit, sich auch in der Meschner sächsischen Gemeinschaft einzubringen. Schon in jungen Jahren Mitglied der Meschner Adjuvanten, begleitete er mit dem Flügelhorn viele schöne und manch traurige Augenblicke seiner Freunde und Nachbarn. Er bekleidete einige verantwortungsvolle Ämter, war Nachbarvater, Presbyter und auch Kirchenvater. Er blieb aber lieber ein Mann der Tat, der statt vieler Worte gleich mit anpackte.

1977 ergriff er eine Gelegenheit und zog nach Deutschland – wo er als Elektriker schnell Fuß fasste und in Ilsfeld, nahe Heilbronn, heimisch wurde. Wenige Jahre später, zog dann die ganze Familie, inzwischen auch mit Enkel nach, in die neue Heimat, nach Ilsfeld. Schnell war man eingebunden in der Landsmannschaft in Heilbronn und ihrem Chor, bei der Siebenbürger Blasmusik in Stuttgart, aber auch im Liederkranz Ilsfeld und dem Ilsfelder Kirchenchor. Bienenstöcke, ein Gartenstückle, ein Haus – die neue Existenz war schnell aufgebaut nach bewährtem Muster.

Auch die Nachbarn, Freunde und Verwandte aus Meschen – inzwischen verteilt in der halben Bundesrepublik – wurde ausfindig gemacht und auch auf Initiative von Georg Bretz fand Ende Juli 1983 in Veitshöchheim bei Würzburg das erste Meschner Treffen statt. Zwei Jahre später, im Januar 1985, wurde auch die Meschner Nachbarschaft ins Leben gerufen, die alsbald zum jährlichen Sittag nach Ilsfeld einlud. Im Vorstand beider Gemeinschaften war Georg Bretz federführend tätig, wurde 2001 nach der Gründung der Meschner Nachbarschaft, Ilsfeld e.V. deren erster Vorsitzender.

Sofort nach dem Umsturz 1990 in Rumänien, machte sich Georg Bretz auf den Weg in die alte Heimat, erst mit Hilfsgütern, dann auch mit Helfern. Die in kürzester Zeit auf eine kleine Gruppe geschrumpfte sächsische Gemeinschaft in Meschen wurde unterstützt, vor allem organisatorisch, da die vielen Aufgaben rund um Kirche, Burg, Pfarrhaus, Friedhof nicht mit ausgesiedelt waren. Das leerstehende Pfarrhaus wurde als eines der Ersten in Siebenbürgen, bereits Anfang der 90-er Jahr in eine Gästehaus umgewandelt. Georg Bretz als Elektriker aber auch viele Mitstreiter haben mit eigener Hände Arbeit, zusätzliche Badezimmer eingebaut, teilweise neue Stromleitungen verlegt, mit Möbel und anderer Ausstattung versehen, kurzum einen gastfreundlichen Ort aufgebaut. Dabei unbedingt erwähnt werden muss, dass dieser Erfolg auch Frau Marianne, der langjährigen Burghüterin zu verdanken ist, welche mit starker eigener Meinung, mit „Gerchonkel“ ein sehr gutes Team in dieser Umbruchzeit in Meschen bildete.

Auf seinen zahlreichen Fahrten nach Meschen, wurde Georg Bretz oft von Ilsfelder Freunden begleitet, welche schnell ihr Herz an unsere Heimatgemeinde verloren. Dieses galt nach seinem ersten Besuch, auch für den frisch gewählten Ilsfelder Bürgermeister, Thomas Knödler – seither ein beständiger, ideenreicher Partner für unsere Anliegen. So war es nur ein konsequenter Schritt, eine Gemeindepartnerschaft anzustreben, zwischen Geburtsort und neuem Heimatsort. Georg Bretz und seinen Mitstreitern in Ilsfeld gelang es den Gemeinderat von der Sinnhaftigheit einer solchen Partnerschaft zu überzeigen, welche feierlich 2003 in Meschen und 2004 in Ilsfeld unterzeichnet wurde. Dieses war die erste offizielle Gemeindepartnerschaft zwischen einem Dorf in Deutschland und Siebenbürgen. Besonders in den ersten 10 Jahren ihres Bestehens entwickelten sich jährliche Treffen, intensive Freundschaften und nachhaltige Projekte.

Zum Dank für seinen langjährigen Einsatz in und für Meschen, wurde Georg Bretz am 10. Juni 2003 die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde Meschen verliehen.

Nachdem  die Meschner Nachbarschaft Ilsfeld e.V. und die HOG Meschen sich 2008 zu der Siebenbürger Nachbarschaft Meschen e.V. zusammenschlossen, wurde Georg Bretz, als Gründungsmitglied und langjähriges Vorstandsmitglied beider Gemeinschaften einstimmig zum Ehrenvorsitzenden unseres Meschner Vereins gewählt. Auch wenn er sich aus dem Vorstand zurückzog, blieb er ein äusserst aktives Vereinsmitglied, dessen Meinung gerne eingeholt wurde. „Vergesst nie, was Ihr Euren Ahnen UND Euren Kindern schuldig seid…“ sagte er am Ende einer der letzten Mitgliederversammlungen.

Georg Bretz wird allen, die ihn kannten und denen er nun so sehr fehlt, nicht nur eine bleibende Erinnerung sein. Sein Wirken ist Ansporn und Verpflichtung zugleich für alle, denen Kultur und Geschichte Meschens und Siebenbürgens etwas bedeutet. Er hat in seinem langen, erfüllten Leben vieles angepackt und aufgebaut. Wir sollten unser Möglichstes tun, diesen Weg weiterzugehen.

Hugo Schneider
Siebenbürger Nachbarschaft Meschen e.V.