Nicht gesucht und doch gefunden – die alte Heimat

Liebe Meschner,

auch ich möchte mich herzlich bei Euch allen für die wunderschönen Tage in Meschen bedanken. Für mich war es der erste bewusste Besuch in der „alten Heimat“ – ein Begriff, den ich bis zu unserer Reise nur von meinen Großmüttern und meinen Eltern gehört hatte. Nie hätte ich gedacht, dass ich selbst ihn einmal verwenden würde. Viel zu gering war meine Bindung an Meschen, als dass ich es Heimat nennen würde. Dachte ich.Doch was ich fand, war genau das – Heimat. Ein Ort, an den ich mich nicht erinnern konnte, an dem ich trotzdem von allen empfangen wurde, als würde ich schon immer dazu gehören. Und vor allem fand ich Wurzeln, die ich bisher nie gesucht hatte. Umso schöner war es, sie zu finden.

In der Kirche mit Euch Gottesdienst zu feiern, mit Papa auf den Kirchturm zu klettern, zum ersten Mal bewusst an den Gräbern meiner Großväter zu stehen, die Väterhöfe zu besuchen, mit dem Pferdewagen über die Felder zu fahren und dabei die Geschichten aus der Jugend meiner Eltern zu hören…all das sind nun auch für mich Erinnerungen, die mich begleiten werden.

Was ich aber vor allem lernen durfte, ist die Bedeutung der „Nachbarschaft“. Der Zusammenhalt, den sich die Meschner Gemeinde über all die Jahre auch weit weg von der „alten Heimat“ erhalten hat, ist atemberaubend. Und erst jetzt, nachdem ich diese Gemeinschaft vor Ort erleben durfte, sehe ich, wie sehr mich die Werte und Traditionen dieser Gemeinschaft mein Leben lang geprägt und begleitet haben. Für meine Eltern war es stets so selbstverständlich meinen Bruder und mich mit ihren, mit Euren Werten groß zu ziehen, dass es mir nicht bewusst war, welch besonderer Schatz mir hier vermittelt wurde. Ich bin ihnen sehr dankbar dafür.

Ich hoffe, dass die Nachbarschaft in Deutschland noch lange bestehen bleibt, um diesen Schatz zu bewahren und weiter zu geben. Sie sollte von uns aber auch weiterhin als Chance gesehen werden den Ort Meschen mit der Kirche, dem Friedhof und allem Wunderschönem, was es dort noch zu erhalten gibt, tatkräftig mit allen Möglichkeiten, die wir hier von Deutschland aus haben, zu unterstützen. Der Verein macht hier eine tolle Arbeit. Vielen Dank an alle, die sich hier engagieren!

Ich hoffe sehr, dass es in einigen Jahren wieder ein Treffen in Siebenbürgen geben wird. Ich bin mir in jedem Fall sicher, dass es nicht meine letzte Reise in die „alte Heimat“ war.

Maria Gross (vom Spitzi)

Ein Gedanke zu „Nicht gesucht und doch gefunden – die alte Heimat

  1. Hanni Mantsch

    Liebe Maria,
    vielen Dank für die Schilderung deiner Eindrücke. Ich hoffe, sie wird vor allem von denen JUNGEN Meschnern gelesen, die noch zögern, sich mit der „alten Heimat“ auseinanderzusetzen.

    Antworten

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